Das Besondere an alten Büchern

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„Ihr Vater hob den Kopf und blickte sie abwesend an, wie immer, wenn sie ihn beim Lesen unterbrach. Es dauerte jedes Mal ein paar Augenblicke, bis er zurückfand aus der anderen Welt, aus dem Labyrinth der Buchstaben.“

Cornelia Funke – Tintenherz

Jäh brach die Sonne durch die Wolken. Hier und da hielten Spaziergänger inne und regten ihre Gesichter dem Sonnenlicht entgegen. Mein Freund und ich schlenderten durch den Schrevenpark, die Semesterferien hatten begonnen und wir genossen die ersten wärmeren Tage des Jahres.

Wenn man durch unserer Haustür hinaus tritt, fällt man quasi direkt in den zentral gelegenen Stadtpark. Sobald das Wetter es erlaubt, ist er gefüllt mit Menschen jeglichen Alters – groß und klein, nur Passant, oder bereit zum Verweilen – jeder nutzt die Gelegenheit.
Wir befanden uns an diesem Tag auf dem Weg zum Antiquariat Diderot, ich hatte eine neue Leidenschaft entdeckt und der musste nun nachgegangen werden. Der Geruch von vergilbten Seiten, das Rascheln dieser beim Umblättern, die persönlichen Randnotizen oder Hinterlassenschaften der Vorbesitzer – alte Bücher hatten es mir angetan und genau nach denen suchte ich nun.

Warum das Internet nicht alle Wünsche erfüllt

Warum dafür nicht das Internet benutzen? Viele Antiquariate bieten ihre kleinen Schätze auch in Onlineshops an. Mich jedoch stört der Gedanke, dass man alles sofort haben kann. Für mich ist dies kein richtiges Sammeln, geht doch die Hälfte des Gefühls dabei verloren. Ich spreche von der freudigen Erwartung und der Hoffnung darauf, ob man diesmal wirklich etwas findet. Das Stöbern erfreut mich mindestens genauso doll, wie das eigentliche Buch. Wie ein Schatzsucher komme ich mir dabei vor, während ich im Schneidersitz vor einem großen Bücherregal sitze und Buch für Buch herausziehe und untersuche.

Drei Teile ergeben Eins

So ein altes Buch besteht für mich aus drei Teilen. Einmal ist da die Geschichte, die mithilfe der Buchstaben und unserer Vorstellungskraft Seite und Geist füllt. Dann ist da der Buchkörper. An einigen Stellen mag der Einband schon beschädigt sein (vielleicht war es lange in einer Tasche mit auf Reisen?), die Seite mit dem „Schmutztitel“ ist wirklich schmutzig, auf dem Vorsatzpapier befinden sich Preise von den verschiedenen Händlern, durch deren Hände es schon gegangen ist. Ab und zu findet man Widmungen, oder Randnotizen, und nicht selten hat ein Besitzer seinen Namen hinzugefügt. Dies alles erzählt eine zweite Geschichte. Die Lebensgeschichte des Buches. Und der dritte Teil ist mein ganz eigener. Er besteht aus der Schatzsuche, und ist gefüllt mit den Erinnerungen daran.

Antiquariat Diderot

Ich denke, ich habe an diesem Tag mein Lieblingsantiquariat in Kiel entdeckt. Hier möchte man verweilen, der Raum erinnert fast an ein Wohnzimmer, oder ein sehr gemütliches Arbeitszimmer, an den Wänden befinden sich hohe Regale gefüllt mit Büchern, und die Besitzerin ist so mit dem Herzen bei der Sache, dass man sich gleich zuhause fühlt. Außerdem habe ich bisher hier die schönsten Exemplare entdeckt. So viele, dass ich mich nur schwer entscheiden konnte, welche ich nun mitnehme, und welche ich dort lasse (um sie vielleicht beim nächsten Mal dann mitzunehmen :-P).

„Nichts verscheuchte böse Träume schneller als das Rascheln von bedrucktem Papier.“

Cornelia Funke – Tintenherz
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